Klassifikation von Störungen bei HWS-Beschleunigungsverletzung nach Erdmann

Anwendung

HWS Distorsionen

Kriterien

Grad 0 (kein Trauma)

Grad I (leicht)

Grad II (mittel)

Grad III (schwer)

Grad IV (tödlich)

Symptomatik

Keine

Schmerzen der Halsmuskulatur und/oder HWS, die bewegungsein-
geschränkt sein kann, meist nach Intervall ("steifer Hals")

Wie I, aber meist ohne Intervall. Möglich sind sekundäre Insuffizienz der Halsmuskulatur, Schmerzen im Mundboden-/ Interskapularbereich, Parästhesien der Arme

Wie I und II, primäre Insuffizienz der Halsmuskulatur möglich; Brachialgien, Armparesen, evtl. kurze initiale Bewußtlosigkeit

Hohe Querschnittslähmung, Tod im zentralen Regulationsversagen, meist am Unfallort, Bulbärhirnsyndrom

Symptomfreies Intervall

Entfällt

Häufig, meist > 1 h, max. 48h, typisch 12-16 Stunden

Selten, meist < 1 h, bis 8 h möglich

Fehlt meist

Nicht vorhanden

Beschwerdedauer

Entfällt

Meist Tage bis Wochen, < 1 Monat

Wochen bis Monate

Oft Monate, selten >1 Jahr

Meist Tod am Unfallort

Bettlägerigkeit

Entfällt

Meist nicht gegeben

Häufig

Sehr häufig

Dauerhaft möglich

Neurostatus

Normal bzw. unverändert

Keine Ausfälle, evtl. Bewegungsein-
schränkung der HWS

Keine Ausfälle, schmerzhafte Bewegungsein-
schränkung der HWS

Sensible und/oder motorische Reiz- und Ausfallserscheinungen

Tetrasymptomatik, Schädigung vitaler Medulla-oblongata-Zentren möglich

Morphologie

Keine Läsion

Distorsion, Dehnung und Zerrung des HWS-Weichteilmantels

Wie I. Gelenkkapseleinrisse, Gefäßverletzungen möglich (retropharyngeales Hämatom, Muskelzerrungen)

Wie II über mehr als ein Segment, Diskusblutung oder -riß, Bandruptur, Wirbelkörperfraktur, Luxation, Nerv-, Wurzel-, Rückenmarksläsion

Markkontusion, evtl. sogar Markdurchtrennung, Schädigung der Medulla oblongata bzw. des untersten Hirnstamms, Schädelbasis- und Kopfgelenkbrüche möglich

HWS-Röntgen

Unverändert

Unverändert, evtl. neu aufgetretene Steilstellung

Evtl. neu aufgetretene Steilstellung, kyphotischer Knick leichte Instabilität

Fraktur, Fehlstellung, Aufklappbarkeit bei Funktionsaufnahmen

Frakturen mit Dislokationen

Kollisionsgeschwindigkeit

0-8 km/h

>8 bis 30 km/h

>30 bis 80 km/h

>50 bis >100 km/h

>80 km/h

Kopfbeschleunigung

<4g

4-15g

16-40g

>20-40g

>40g

Fahrzeugschaden

Beulen, Bruch von heckseitigem Glas

Karosseriestauchung, abhängig von Bauweise, oft mehrere Zentimeter

Wie I, beginnende Intrusion der Fahrgastzelle

Stärkere Intrusion der Fahrgastzelle

Fahrgastzelle praktisch immer deutlich verformt